Samstag, 7. März 2009

Karen-Rebellen im thailändischen Exil werden nach Burma zurückgeschickt

Karen Organisationmitglieder sollen Thailand sofort verlassen

Copyright jonas lanter

Auch die Älteren werden so wieder an die Waffen gezwungen


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Wer keine Folge leistet, wird nach Burma ausgeschafft;
zu Folter, Zwangsarbeit oder in den Tod


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Auch diese Kindersoldaten dürfen (auch wenn in zivil) nicht mehr auf thailändisches Territorium


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Alle Mitglieder sind davon betroffen



Leidtragende sind vorab Kindersoldaten bzw. - Sklaven



Grafik der Standorte der verschiedenen Offensive & der Karen desplaced peoples,
der KNU/KNLA und der Junta . SPDC, DKBA und der abgespaltenen KNU/KNLA PC
des Putschisten Htwa Lynn



Karen-Rebellen im thailändischen Exil werden nach Burma zurückgeschickt


Mae Sot(d)


jonas m lanter

Die politischen Führer der Karen National Union (KNU) und dessen militärischen Flügel, der Karen National Liberation Army (KNLA), sollen Thailand sofort verlassen. So ein amtlicher Brief an deren im thailändischen Exil lebenden Mitglieder der indigenen Karen. Die KNU / KNLA bekämpft die burmesische Junta seit ihrer Bestehung und ist mit ihr nie zu einer Einigung, geschweige denn zu einer Annäherung, gekommen.


Dies heisst, dass die in die Jahre gekommene Führungsriege um den vor beinahe zwei Jahren verstorbenen Chairman Saw Ba Thin Sein - der auch Premier aller sieben grossen Ethnien Burmas war (Anmerkung: Des ‚Ethnic National Council’, ENC); ausgeliefert werden. Es wird ihnen nichts anderes übrig bleiben, als nach Burma kämpfen zu gehen oder in ein Drittland wie Norwegen; das bereits viele Exilanten beherbergt, auszuwandern versuchen. Denn auch deren Führung hat keine Internationalen UN-Pässe.

Lediglich von der UN ausgestellte Dokumente, die diese als Staatenlose (Anmerkung; diese geniessen keinerlei Rechte) ausweisen.


Auch tausende Gewerkschaftsmitglieder der KNU sollen das Land unverzüglich verlassen.

Die Nachricht, welche am 11. Februar von thailändischen Behörden zugestellt wurde, weist die KNU an, sich sofort auf die burmesische Seite zurückzuziehen. Die KNU/KNLA wird vowiegend von den in den Vereinigten Staaten lebenden Baptisten unterstützt.


Die thailändischen Behörden schliessen aber zur Zeit nicht aus, dass kranke oder im Kampfe verletzte Mitglieder der Karens zur ärztlichen Behandlung weiterhin nach Thailand verbracht werden dürfen.

Die thailändischen Behörden teilen mit, dass dieses Dekret auf einen Beschluss der burmesischen Junta (Tatmadaw), des ‚State, Peace and Development Council’, (’SPDC, wie die burmesische Armee heisst), und der mit den Militärs operierenden ‚Demokratic Karen-Buddhist Army’ (DKBA) veranlasst wurde.


„Die thailändischen Behörden gaben den Erlass auf der Grundlage und der Argumentation des ‚SPDC’-Rates und der mit ihr seit dem Jahre 2003 verbündeten ‚DKBA’ heraus. Dieser Beschluss veranlasst damit die KNLA-Truppen und die Politiker der KNU die thailändische Seite zu verlassen,“ sagt ein zentrales Vollzugsausschussmitglied, der zur Junta konvertierte David Htaw Lynn.

Dieser war einst selbst Lieutenant Colonel und ehemaliger Kommandant des 101st Battaillon der KNLA unter der siebten Brigade von General Bo Mya.


Nach dem Tode des streng agierenden Generals Bo Mya, welcher an Weihnachten 2007 verstarb, hatte sich Htaw Lynn von der KNU abgespalten und sich mit der Junta und der buddhistischen ‚Demokratic Karen Buddhist Army’ zusammen getan.

Diese Gruppierung unter Htaw Lynn nennt sich ‚KNU/KNLA PC’ (das ironischerweise Peace Council heisst), und hat sich in einem ‚Gentlemen's agreement’ mit den burmesischen Generälen geeinigt.


Htaw beharrt darin, dass diese Entscheidung am effetivsten sei, um den militärischen Arm der KNLA und die politische Führungsriege der Karens (KNU) innerhalb Burmas bekämpfen zu können.


7th. March 2009


Kommentar des Autors:


Anstatt deeskalierend auf die momentane Situation einzuwirken, wird das Spannungsfeld weiterhin aufgeheizt.

In den vergangenen Monaten sind vermehrt Morde innerhalb der Gruppierungen und wieder erschwerte Kämpfe ausgebrochen.

Dies kann nicht die Lösung sein. Ich befürchte, dass sich die verschiedenen juntatreuen Gruppierungen untereinander abspalten werden und den Kampf gegen die Junta selbst wieder aufnehmen bzw. ausdehnen werden.

Denn sobald die KNU / KNLA von ihrem jahrzenhntelangen Exil aus Thailand vertrieben ist, wird die Mord-

rate innerhalb der zerstrittenen Parteien zunehmen. Da bereits intensive Kampfhandlungen im Gange sind, rechne ich mit dem Schlimmsten.

Somit werden die Karens ein weiteres Male ihrem Schicksal überlassen und haben nach ihren Angaben keine andere Wahl, als den Krieg gegen die buddhistischen Karens, die abtrünnige Gruppierung und gegen die burmesische Junta auszuweiten.

Sollte dies die einzige Lösung sein, hat die UN, die ASEAN und auch die westliche Politik versagt.


07. März 2009

Sonntag, 1. März 2009

In Burma zeichnet sich kein Wandel ab

Da Burma gerade mal wenige politische Gefangene frei liess, zeigt dies, dass sich in naher Zukunft keine Veränderung abzeichnet


Russischer Mig- 29 Kampfflieger mit burmesischem Hoheitszeichen


Pilatus Porter (Trainer) mit Aufhängung für Waffensysteme -
bumesisches Hoheitszeichen. Schweizer Lieferung vor Embargo



Da Burma gerade mal wenige politische Gefangene frei liess, zeigt dies, dass sich in naher Zukunft keine Veränderung abzeichnet

jonas m lanter

Unter den 6313 freigelassenen Inhaftierten waren gerade mal sechs von der Nationalen Liga für Demokratie (NLD). Deren Generalsekretärin, welche seit Jahren unter Arrest steht, ist die charismatische Friedensnobelpreisträgerin Daw Aung San Suu Kyi ist. Dies sollte dem Westen klar vor Augen führen, wer hier weiterhin das Sagen hat: Die Junta.


Sie geht mit äusserster Brutalität gegen ihr eigenes, indigenes Volk vor und treibt den ethnischen Vielvölkerstaat ins Abseits. Selbst dem Sondergesandten der UN, Ibrahim Gambari und dessen UN-Ermittler Tomas Ojea Quintana, welche von Generla Than Shwe nicht zu einem Gespräch empfangen wurde, sollte nun endgültig klar sein, dass sich in naher Zukunt an dieser Lage nichts ändern wird.

Solange die burmesische Junta von China Waffen erhält und von Indien und Russland wirtschaftlich und finanziell abhängig ist, haben diese genügend Kapital, ihre 450'000 Soldaten umfassende Tatmadaw (Armee) weiterhin zu unterhalten. Obwohl russische Mig-29 Kampfjets wegen fehlender Pilotenausbildung und mangelnder Erfahrung in der Wartung am Boden verrotten, zeigt sich, dass sie dennoch über genügend Waffen und loyalen Soldaten zur Machterhaltung verfügen. Somit zeigt sich einmal mehr, dass die Generäle gewillt sind, ihre Machtbefugnisse durch eine unterdrückte und in sich gespaltene Oppostion weiter vehement auszubauen.Somit sind auch die Wahlen im kommenden Jahr eine weitere Farce in der Geschichte Burmas.

1. März 2009

Mittwoch, 25. Februar 2009

Burma: 24 politische unter den 6313 freigelassenen Inhaftierten. Sechs davon von der NLD

Gerade mal 24 Politische unter den 6313 freigelassenen Gefangenen. Sechs von der verbotenen Partei der Nationalen Liga für Demokratie; NLD!


Hunderte von Flüchtlinge überqueren täglich den Moi-river Grenzfluss -
morgens


Den ganzen Tag ist ein Kommen und Gehen -
abends



Moulmein liegt momentan unter schwerem Artilleriebeschuss der KNLA/KNU PC und
der Junta (SPDC)



Auch zum 'Black-market' in Mae Sot(d) wird allerlei mitgenommen


Hunderte warten am Grenzübergang zu Thailand auf der "Friendship-bridge"


Gefangene im Arakhan-State



Kinder beim Abfallsortieren auf der Müllhalde bei Mae Sot(d); Grenze Thai / Burma


Kindersoldat in Burma


Überlebende Rohingya in Malaysia; diese wurden von Thai-Militärs aufs offene Meer geschleppt


Geflohene & gefolterte Burmesen haben Angst, nach Burma zurückgeschickt zu werden

jonas m lanter

Unter den 6313 feigelassenen Gefangenen sind nur gerade 24 (in Anführungszeichen) politische dabei. Davon sind erwiesenermassen sechs von der verbotenen Nationalen Liga für Demokratie; NLD.

Unter den Freigelassenen befinden sich neun buddhistische Mönche und eine Nonne. Diese waren öffentlicher Meinung keine politische Inhaftierte, sondern willkürlich festgenommene Männer und Frauen.

Einer der politischen Gefangenen, welcher freigelassen wurde, ist der seit 1990 inhaftierte Dr. Zaw Myint Maung von der Nationalen Liga für Demokratie. Er hat stark unter seiner Isolationshaft und Folter gelitten.
Zaw Naing Htwe, ein anderer in einem Arbeitslager inhaftiert gewesener, wurde zu sechs Jahren verurteilt, denn er hatte einen Brief von seinem älteren Bruder erhalten. Dieser war einer der Anführer der Studentenrevolte von 1988 und ist immer noch inhaftiert!


Es sind aber weiterhin mehr als 2'100 politische Gefangene in Burma unter schwersten Bedingungen inhaftiert. Dies heisst, sie sind in Isolationshaft, in Käfigen eingesperrt und/oder werden gefoltert. Weder erhalten sie medizinische Hilfe noch Nahrungsmittel. Diese müssen von Bekannten oder Verwandten mitgebracht werden. Ein kleines Anbaufeld für Gemüse und Früchte ist die einzige Lebensmittelquelle, die innerhalb der Zuchtstätten und Arbeitslager erlaubt sind. Von diesen muss die Hälfte an die dortigen Gefängniswärter abgegeben werden.

25. Februar 2009

Mittwoch, 18. Februar 2009

Burmas Opposition ruft UN zum Handeln auf

Dringende Eilmeldung am Schluss des Beitrages

Dr. Sein Win, der nahe Verwandte von Daw Aung San Suu Kyi und des Nationalhelden Aung San (2.v.l.); Jimmy Carter, Friedensnobelpreisträger und ehem. US-Präsident (in der Mitte). Daneben
der verstorbene Leader aller grossen Volksethnien und PM der Karens, Saw Ba Thin Sein. Dieser war ein Garant für Frieden innerhalb der Karens, welche sich nach dessen Tode gegenseitig anfingen zu bekriegen.
Er hatte die Karens untereinander vereint. Heute kämpfen die buddhistischen Karens der 'Demokratic Karen Buddhist Army' gegen die christlichen Karens.
Innerhalb der christlichen Karens hat sich wiederum eine weitere Absplittung nach dem Tode des strengen Chefes des militärischen Flügels, General Bo Mya, gebildet.
Die KNU/KNLA handelt nicht mit Drogen, wollen aber die reichen Ressourcen (Anmerkung: U.a. an radioaktivem Kadmium, welches hier natürlich vorkommt)
unter ihre Kontrolle bringen

Dringende Eilmeldung am Schluss des Beitrages

jonas m lanter


Burmas Opposition der Nationalen Liga für Demokratie und die im Ausland stehende Exilregierung der ‚National Coalition Government of the Union of Burma’ (NCGUB) ruft die Vereinten Nationen zum Handeln auf.
Angesichts vielfacher Verletzungen der Menschenrechte im drittkorruptesten Land dieser Welt (laut UN-Bericht) ruft sie die Menschenrechtsmissionen auf, gemäss ihrem Protokoll nun endlich Taten folgen zu lassen.

Der UN-Ermittler Tomas Ojea Quintana ist am Samstagabend in Burma eingetroffen. Herr Quintana soll die Entwicklung der Menschenrechtslage seit seinem ersten Besuch vom vergangenen Sommer bewerten. Der UN-Beauftragte hätte auch um ein Treffen mit politischen Gefangenen gebeten, erklärten die Vereinten Nationen mit Blick auf die seit 1989 meist unter Hausarrest stehende Oppositionsführerin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu
Kyi. Letzten Sommer wurde Tomas Quintana ein Treffen mit Aung San Suu Kyi verwehrt.

Erst vor zwei Wochen hielt sich der UN-Sondergesandte Ibrahim Gambari in Burma auf, um auf eine politische Aussöhnung hinzuwirken. Seitdem gab es keine Anzeichen einer Entspannung.
Auch nach seinem siebten Besuch gibt es keinerlei Fortschritte. Generalissimus Than Shwe (Anmerkung: muss als königliche Hoheit angesprochen werden) boykottierte das Treffen zum achten Male innerhalb 18 Monaten!

Die ‚Nationale Koalition of the Union of Burma’; dessen Premier Dr. Sein Win ist, rief die UN wiederholt um Hilfe auf.
Dr. Sein Win’s Vater ist der ältere Bruder des burmesischen Staatshelden General Aung San, welcher 1947 ermordet wurde. Seine Tochter wiederum ist die burmesische Ikone Aung San Suu Kyi.

„ Was keiner wagt, das sollt ihr wagen.

Was keiner sagt, das sagt heraus.
Was keiner denkt, das wagt zu denken.
Was keiner anfängt, das führet aus. „

Johann Wolfgang von Goethe


Siehe ausführliche 14 Seiten-Biographie über Daw Aung San Suu Kyi und
Fotografien der letzten Burma-Reise unter:
http://birmaberichterstattung.blogspot.com/2008/10/burma-biografie-einer-ikone.html

Eilmeldung
__________

Kurz vor dem Besuch des UN-Menschenrechtsexperten haben Angehörige der ethnischen Volksgruppe der baptistischen Karens (gemeint ist die KNU; die Karen National Union bzw. deren militärischer Arm, die Karen National Liberations Army), die Grenzstadt Myawaddy im Kayin-State mit schwerem Geschütz beschossen. Diese liegt über der Friendship-bridge in Mae Sot auf burmesischem Gebiet.
Laut Angaben seien aber 'keine Menschen zu Schaden gekommen'. Dies meldete die Staatszeitung "The New Light of Myanmar". Diese Meldung muss mit äusserster Skeptik betrachtet werden.

Die Geschosse seien einige Kilometer südlich der Stadt eingeschlagen. In dem Bundesstaat leben viele Angehörige der Karen. Die Rebellen der KNU kämpfen bereits seit sechs Jahrzehnten gegen die Regierung der Tatmadaw. So wird ironischerweise die 'State Peace and Development Council' genannt. Diese 450'000 Mann umfassende Junta-Armee werden schwerste Verletzungen jeglicher Menschenrechte vorgeworfen. Insbesondere gilt Vergewaltigung als legitimes Mittel der Vernichtung vieler ethnischer Volksgruppen wie auch der Karens, den Karennis (rote Karens), den Mon, Shan, Rohingya und so weiter.

Anmerkung: Ich werde Mitte März ein weiteres Male nach Burma reisen. Da momentan schwere Auseinandersetzungen zwischen der Junta und der Karen National Lib. Army im Gange sind, versuche ich direkte Kriegsberichterstattung vom Schauplatz der Kampfhandlungen mit dazugehörigen Photos aufzuschalten.

Anregungen und Fragen können an diese Seite oder an
aseannews@gmx.net
direkt gerichtet werden.

Bei Fragen professioneller Medien bitte persönliche Mail oder Abmachung per Telephon (Bitte mit Treffpunktangabe oder Mail; denn in Ländern wie Burma können Telefonanrufe schwerwiegende Folgen haben).


Anbei sollte jeder Leser wissen, dass jegliche Gespräche und Mails auch hier bei uns vom 'DAP' aufgezeichnet werden und 15 Jahre lang eingelagert werden.

( dieser Kurzbeitrag musste aus gewissen Gründen entfernt werden )

Leuk wurde bekannt durch die abgefangenen Satellitenkommunikationen der Geheimdienste (siehe vom Blick veröffentlichte Meldungen über Gefangenenlager der Amerikaner. Vermutlich in Polen / Rumänien, welche ich hier weder bestätigen noch dementieren kann bzw. will) und deren Super-Rechnern von 'Echelon, Satos1, Satos2, Satos3 oder Onyx'.

Zürich, den 17. Februar 2009

Donnerstag, 12. Februar 2009

Mizzima News erhält den Friedensnobelpreis des World Press Freedom Komitees

Burmas Oppositionswebseite Mizzima News aus Neu Delhi erhält den Friedensnobelpreis des World Press Freedom Komitees

jonas m lanter

Fotos, Berichte und Filme aus Burma laufen in Neu Delhi zusammen und gehen von hier rund um die Welt: Mizzima News wurde im indischen Exil von oppositionellen BurmesInnen aufgebaut.

Gegründet wurde Mizzima News von vier Journalisten.
Viele westliche Medien greifen auf Fotos und Berichte dieser Agentur zurück. Diese berichten seit Jahren über aktuelle Geschehnisse innerhalb Burmas.
'Vikas Puri', ein Stadtteil, der ganz im Westen von Neu Dehli und weitab des touristischen Zentrums von Old-Delhi liegt, sind die kargen Räume der Redaktion.
Saw Mung Pi ruft an seinem Computer die E-Mails ab. Auf dem Bildschirm erscheinen Meldungen, die von Zeitungen und Fernsehsendern auf der ganzen Welt dringend gebraucht werden.
Das Interesse an Burma ist nach den gescheiterten und brutal niedergeschlagenen Protesten im Jahre 2007 geschwunden.
Dennoch sind die Berichte von Menschen aus Burma äusserst wichtig. Mung Pi, der stellvertretende Chefredakteur von Mizzima News, erzählt: "Es ist offensichtlich, dass der 'Staatsrat für Frieden und Entwicklung', die SPDC, wie sich das burmesische Militär nennt, jeden festhalten, der eine Kamera oder ein Handy offen herumträgt. Computer dürfen nur von privilegierten, juntatreuen Anhängern mit einer speziellen Erlaubnis der Junta genutzt werden. Jeder Passant kann Opfer von Durchsuchungen werden. In Rangun selbst hat es jetzt mehr Sicherheitsbeamte als je zuvor."

Neben Bangkok ist Neu Delhi das zweite Zentrum, an dem viele Meldungen aus Burma zusammenlaufen. Seit Beginn des Aufstands der Mönche ist die Agentur eine der wichtigen Quellen für Journalisten.
Dies erwähnte ihr Chef Saw Soe Mynt gegenüber der Deutschen Tagesschau. "Trotz der Informationsblockade
des Militärs und obwohl teilweise die Unterwasserkabel gekappt wurden, bekommen wir immer noch Nachrichten. Neue Technologien wie Satellitentelefone, GPS und Computer machen dies möglich. Ausserdem haben die BurmesInnen den Drang, Informationen aus dem Land zu schmuggeln - egal wie!"

Mynts Kollege Saw Mung Pi führt durch die Redaktion. Seit einigen Tagen kommen deutlich weniger Informationen rein. Denn die mit eiserner Hand regierenden Militärs
um Than Shwe haben einen Internetprovider vom Netz genommen.
"Dass trotzdem noch Berichte und Photos die Redaktion erreichen, ist sehr wichtig für uns", so Saw Mung Pi. "Aber wir fragen nicht nach, woher sie stammen. Ich fürchte, wir würden sonst den
Kommunikationskanal verlieren, den unsere Informanten nutzen."
Die Hauptaufgabe der 18 Redakteure liegt darin, Informationen zu überprüfen, bevor sie auf der Internetseite veröffentlicht werden. Entweder stimmen Berichte überein oder Saw Mung Pi und seine Kollegen greifen zum Telefon und versuchen die Bewohner der betroffenen Städte per Zufallsprinzip zu erreichen. Viel Geld bringt dies aber nicht ein.
Finanziell wird die Agentur von Journalistenverbänden, privaten Spendern (meist Exil-BurmesInnen) und NGO’s
unterstützt.

Hier im Stadtteil ‚Vikas Puri’ leben ungefähr 1800 Exil-BurmesInnen. Sie sind geflohen oder haben in Indien studiert und konnten nicht nach Burma zurückkehren. Indiens politische Position ist aber sehr widersprüchlich (siehe letzten Beitrag vom 6. Februar '09).

Auf der einen Seite gewährt das Land Flüchtlingen nur zum Teil Asyl. Die moslemischen Rohingyas werden meistens zurück geschickt. Wohlweislich, dass sie mit schweren Repressionen oder sogar dem Tode bestraft werden.
Indien ist neben China und Russland der drittgrösste Handelspartner der burmesischen Generäle.

Deshalb ist eine schnelle Lösung nicht in Sicht. Denn es gibt keine Hinweise auf einen erneuten Aufstand des Volkes. Aber der Protest wird weiter gehen.

Die Mitarbeiter der Nachrichten-Agentur suchen deshalb möglichst viele Informanten im Land.

Mit den Verwandten konnten die Mitarbeiter der Mizzima News schon lange
nicht mehr telefoniert, um sie nicht zu gefährden. Denn die Junta hat wiederholt Eltern, Geschwister oder Verwandten von Mönchen oder Studenten verhaftet, die sich im Lande verstecken oder ins benachbarte Thailand flohen. Gegründet wurde Mizzima News am 8. August 1998. Also genau zehn Jahre nach der Niederschlagung der Studentenproteste, welche Tausenden von Menschen das Leben kostete.

Des weiteren wurde vom World Press Freedom Kommitee der letzten Dezember in Sri Lanka ermordete Journalist Lasantha Wickrematunga geehrt. Er wurde durch
die Internationale Federation of Journalists (IFJ) vorgeschlagen.

12. Februar 2009

Freitag, 6. Februar 2009

Burma bleibt fest im Würgegriff der Militärs


Eineinhalb Jahre nach dem Aufstand der Mönche ist die Opposition innerhalb Burmas zerschlagen

siehe Bericht 28. Oktober 2008: "Rohingya; ein Volk, dass es nicht geben darf"
"Thai Militärs warfen Hunderte von ihnen in das Meer", wie ein UN-Sprecher am Freitag bestätigte

Generalissimus Than Shwe oberste Priorität ist seine Machterhaltung

UN-Sondergesandter Ibrahim Gambaris siebter erfolgsloser Versuch zu einem Dialog


jonas m lanter

Der UN-Sonderbeauftragte Ibrahim Gambari wurde von der burmesischen Militärjunta trotz einladender Zugeständnissen nicht von Than Shwe empfangen: Auch die Forderung von Gambari, dass das Regime tausende politische Gefangene freilassen und den Hausarrest von Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi aufheben soll, stiess auf taube Ohren. Somit ist der Besuch Gambaris ein weiteres Male zum Desaster geworden: Der Nigerianer war bereits zum siebten Male für Verhandlungen in Burma, und die Militärdiktatoren haben sich bisher keinen Deut darum geschert.
Im September 2007 gab es noch grosse Hoffnungen, dass das Regime ein Ende findet. Angeführt von buddhistischen Mönchen, die in der Bevölkerung sehr hohes Ansehen geniessen, protestierten hunderttausende Menschen gegen die Diktatur. Doch das Regime schlug die Demonstrationen mit Gewalt nieder.
In der Folge wurden sämtliche Klöster durchsucht und politische Dissidenten zu Haftstrafen von bis zu 65 Jahren verurteilt.
Die Junta hält das Land weiter fest in ihrem Würgegriff.


Gefängnis und Flucht

Die Opposition wurde grossteils zerschlagen und die Anführer der damaligen Proteste sitzen im Gefängnis, sind ins Ausland geflohen oder verstecken sich.
Gegen die Junta kämpfende ethnische Volksgruppen wurden an die Randgebiete zu Thailand, Laos und Bangladesch gedrängt. Diese Gebiete sind für jeglichen Tourismus gesperrt.
Um die Unterdrückung in Burma dennoch zu beenden, versuchen die EU und die Vereinigten Staaten von Amerika durch Sanktionen Druck auszuüben. Doch diese werden unterlaufen.
Russland und Indien machen jede Menge Geschäfte in Burma, und besonders China hat seine Investitionen massiv erhöht.

Alleine 2008 flossen 840 Millionen Dollar aus China in das Nachbarland. China ist vorab an einer Stabilität an seiner Grenze interessiert und nicht an einer Demokratisierung. Und diese Stabilität sieht China vor allem durch das Militär gewährleistet.
Die Unterstützung Chinas stärkt die Junta in ihrer starren Haltung. Um die Führung rund um General Than Shwe doch zu einem Einlenken zu bewegen, gibt es innerhalb der Vereinten Nationen Überlegungen, der Junta ein Lockangebot zu machen:
Für die Freilassung von rund 2000 politischen Häftlingen und einen Dialog mit der Opposition erhält Burma verstärkt Entwicklungsgelder und humanitäre Hilfe.
Doch auch dieser Vorschlag stiess bei den Machthabern auf taube Ohren.
" Der UN-Sondergesandte Gambari soll Burma nicht mehr besuchen ", so Aung San Suu Kyi von der verbotenen Nationalen Liga für Demokratie und Friedensnobelpreisträgerin.


Oberste Priorität: Machterhaltung

Burma benötigt zwar dringendst internationale Hilfe. Mehr als zwei Millionen Menschen wurden im vergangenen Jahr durch den Wirbelsturm 'Nargis' obdachlos. Durch Ernteausfälle ist die Versorgungslage für die rund 50 Millionen Einwohner des ärmsten Landes Asiens mehr als prekär.

Doch die seit 1962 mit eiserner Hand regierende Junta hat schon oft bewiesen, dass für sie der eigene Machterhalt wichtiger ist, als das Leiden der Bevölkerung zu lindern.
Auch befürchten die Generäle, dass eine Freilassung der politischen Gefangenen die eigene Herrschaft untergräbt.
Denn das Regime hat für nächstes Jahr Wahlen angesetzt, durch die es sich legitimieren lassen will.

Die Verhaftungen politischer Gegner hätten schon im Vorfeld sichergestellt, dass niemand dem Wahlerfolg der Militärs im Wege steht.
Die Wahlen spalten auch die verbliebene Opposition sowie die gegen die Junta kämpfenden Guerillas. Ein Teil erhofft sich dadurch wenigstens ein wenig Mitbestimmung. Für einen anderen Teil seien die Wahlen eine abgekartete Farce, an der es keinen Sinn hat daran teilzunehmen.

Nicht nur durch Repressionen versucht die Junta den Wahlerfolg zu sichern. In ihrer langjährigen Herrschaft hat sich ein dichtes Netz an Spionen über das Land gelegt. Sie verfügt über zahlreiche Nachwuchsorganisationen; die sogenannten Speerspitzen.
Jede neue Errungenschaft, wie neue Schulen oder die vom Ausland nach dem Wirbelsturm 'Nargis' gespendeten Hilfsgüter, werden der Bevölkerung als Geschenk der brutalen Generäle verkauft.

Genau hier müsste auch die Opposition ansetzen um mehr zu einer sozialen Institution zu werden.
In einem armen Land wie Burma reicht es nicht aus, Demokratie und Menschenrechte zu fordern. Viele Menschen haben Hunger und brauchen dringend soziale Hilfe. Allerdings ist es äusserst fraglich, wie weit es der Opposition unter den derzeitigen Verhältnissen überhaupt möglich ist, sich sozial zu betätigen.

Denn jegliche Parteien sind unter den jetzigen Machthabern verboten, eine Verfassung existiert nicht.
Somit haben diese auch keinen Freiraum, sich zu entfalten.


Siehe letztes und exklusives Interview des verstorbenen Premier und Chairmen des 'Ethnic National Councils' und der 'Karen National Union', Saw Ba Thin Sein vom 22. Dezember 2007.
Auf Anfrage auch in Englisch erhältlich.


6. Februar 2009

Freitag, 23. Januar 2009

Burma schottet sich gegenüber dem Westen ab




Die Junta wird weiterhin an der Macht festhalten - geringe Einwände des Westens

jonas m lanter

Nachdem in den Vereinigten Staaten die Vernunft über die Arroganz des abgetretenen Ex-Präsidenten Bush gesiegt hat, stellt sich nun die Frage, wer sich für eine Öffnung Burmas einsetzen wird. Der historische Sieg des Afro-Amerikaners Barack Obama ist ein einziger Lichtblick an Entgegenkommen und gegenseitigem Respekt gegenüber anderen Völkern. Dass sich Burma weiterhin abschottet und abseits der offiziellen Reisewege keine Touristen zu finden sind, liegt daran, dass Burma keine ausländischen Augenzeugen ihrer Machenschaften haben will. Jeder, der das Land von seiner finsteren Seite her kennen lernen will, soll oder muss illegal nach Burma einreisen. Dies geschieht am Besten von der thailändischen Seite aus oder über Bangladesh.

Oberste Priorität liegt auch darin, dass die Regenwälder nicht weiter abgeholzt werden und die Menschenrechte einen gewissen Stellenwert einnehmen. Auch die Staudammprojekte und Verschmutzungen müssen gestoppt werden. Burma ist eines der wenigen Länder, die noch abgelegene Regionen und Naturvölker beherbergen. Teile, wie die Inselwelt in der Andamanensee, die für Fremde wohlweislich gesperrt sind, um die Naturvölker nicht mit Krankheiten anzustecken, müssen weiterhin 'no goes areas' bleiben. Dies ist infolge der Abschottung Burmas eines der wenig positiven Errungenschaften. Solange die Vereinten Nationen nicht einmal ins Land gelassen werden, liegt es an China und Indien, Burmas Generäle an deren Pflichten gegenüber dem Volke zu ermahnen und den benötigten Druck auszuüben. Dies scheint aber aussichtslos zu sein. Solange China, wie früher die Kolonialmächte, weiterhin andere Länder ausbeuten. Freunde kann ich mir aussuchen, Nachbarn nicht. Diese bittere Erfahrung musste wohl jeder von uns machen. Gerade hier müsste sich ein Wandel vollziehen.

Daher fordern die Vereinten Nationen General Than Shwe und seine Günstlinge auf, einen Konsens zu finden und Gespräche mit der einzigen Alternative, der Nationalen Liga für Demokratie 'NLD' aufzunehmen und einen passablen Weg zu gehen. Denn nur diese besitzt im Vielvölkerstaat das Vertrauen der meisten aller 135 verschiedenen Ethnien und Volksgruppen.
General Than Shwe wäre gut beraten, den Kontakt zu einem friedlichen Miteinander aufzunehmen und seine Dienste nicht seinem Reichtum und seiner Gier unterzuordnen. Auch fehlt es dem ehemaligen Postangestellten an Weitsicht und Toleranz. In Burma spielt der Aberglaube an Geistern eine zentrale Rolle nicht nur in der Politik. Jeder Kronie (Anmerkung Günstling der Junta) kontaktiert seine Nats beziehungsweise Hellseher. Die Astrologie übt einen hohen Stellenwert aus. Nicht darauf zu setzen wäre das Unheil selbst herbeizurufen. Auch ist die Entwicklung und faktisch das Land selbst durch den zunehmenden gesundheitlichen Verfall Than Shwes in jeder Hinsicht nahezu zum Stillstand gekommen. Dies soll aber nicht heissen, dass eine Demokratie westlichen Stils von Erfolg gekrönt wäre. Nein. Denn viele dieser indogenen Völker leben noch nach Stammesregeln und Ritualen. Hier eine in sich spielende Demokratie zu installieren würde jahrzehntelange Spannungen wenn nicht gar Anarchie und Kriege mit sich führen.

Daher wäre General Than Shwe, Oberhaupt der Streitkräfte und im eigenen Lande König genannt, gut beraten, Hilfe der Vereinten Nationen, den ASEAN und anderen Ländern sowie den humanistischen Hilfsorganisationen anzunehmen.

Zürich, den 23. Januar 2009

Freitag, 9. Januar 2009

Das Interesse an Burma schwindet

Burma gerät zusehends in Vergessenheit

Mae La Refugée-Camp


jonas m lanter

Wenn Lewey Zeit hat, blättert er in seinem Lesebuch oder zupft die Saiten der Gitarre. Lewey hat viel Zeit, seit er im Flüchtlingslager Nai Soi im Norden Thailands lebt. Zu Hause in Burma musste er seinem Vater auf dem Reisfeld helfen – wenn die Familie sich nicht gerade tagelang im Dschungel versteckt hielt, weil burmesische Soldaten durch ihr Dorf marschiert sind. " Immer wieder kamen sie ins Dorf und haben unsere Tiere und unser Essen mitgenommen ", erinnert sich der 14-Jährige. " Unsere Leute mussten mit ihnen gehen und beim Tragen helfen. "Durch Zwangsarbeit, gezielte Menschenrechtsverletzungen und gewaltsame Umsiedlung versucht die burmesische Regierung, die ethnische Gruppe der Karenni und anderen im Osten Burmas unter Kontrolle zu halten und von den verschiedenen Widerstandsgruppen zu trennen. Knapp die Hälfte der etwa 200.000 Bewohner des Kayah-Bundesstaates sind inzwischen vertrieben – in staatlichen Lagern oder in abgelegenen burmesischen
Wäldern. Lewey war zehn Jahre alt, als sein Vater sich dazu durchrang, seine beiden Söhne über die Grenze nach Thailand zu schickten. " Er wollte, dass wir hier zur Schule gehen und versprach, später nachzukommen ", erzählt Lewey und klimpert wieder auf der Gitarre, die er selten aus der Hand legt. So gab der Vater die Jungen in die Obhut einer Truppe Karenni-Soldaten. In einer grossen Flüchtlingsgruppe – Lewey schätzt sie auf fast 100 Menschen – marschierten die Jungen eine Woche lang, von morgens bis abends, Richtung thailändische Grenze. " Wir hatten Angst, dass die burmesischen Soldaten uns schnappen oder dass wir auf Landminen treten ", erzählt er. Aber am meisten fürchtete er sich vor den alten, grauen Wesen, die ihnen folgten und sie beschimpften – den Geistern. Die Burmesen sind ein sehr abergläubisches Volk. Je angesehener eine Familie, ein Kronie (Kronie = ein Günstling der Militärs) oder die Machthaber selbst, alle halten sich sogenannten "Nats" (Menschen in mystischer Gestalt), welche, wenn in Trance gefallen, niemand nur geringsten Zweifel an deren Aussagen hegen. Trotz der ungewissen Zukunft war er glücklich, als sie nach einer letzten Flussüberquerung Thailand und das nahe gelegene Flüchtlingslager Nai Soi erreichten.

Letzter Ausweg

Viele Karenni (Anmerkung "Rote Karens") sehen die Flucht nach Thailand als den letzten Ausweg, insbesondere für ihre Kinder. Denn an einen Schulbesuch in Burma ist für die meisten nicht zu denken. Viele Schulen im Kayah-Staat, wie auch in anderen, wurden von den burmesischen Behörden geschlossen. Ausserdem: Wer ständig aus seinem Dorf flüchten muss, kann nicht regelmässig zur Schule gehen. Obwohl das Lager seit über zehn Jahren besteht, erlaubt die thailändische Regierung nur provisorische Bauten.
Denn in allen der neun Refugée-camps sind deren Bewohner zwar in einem geschützten Zufluchtsort vor Menschenrechtsverletzungen der burmesischen Armee, aber zugleich ist dies auch ein Gefängnis für sie: Weil die thailändische Regierung die etwa 143'000 Burmesen, die in neun Lagern entlang der Grenze leben, nicht als Flüchtlinge anerkennt, werden ihnen Flüchtlingsrechte verweigert. Anstelle der Vereinten Nationen unterstehen die Lager dem thailändischen Innenministerium. So dürfen die Bewohner die Camps offiziell nicht verlassen – weder um zu arbeiten, noch um zur Schule zu gehen. Die Menschen sind auf Hilfslieferungen angewiesen.
Hilfsorganisationen verteilen Reis, Bohnen, Speiseöl, Salz, Chili und Kohle zum Kochen, sowie Decken, Schlafmatten und Kleidung. Krankenstationen und Schulen werden vom Gesundheits- und vom Bildungskomitee der Bewohner selbst organisiert, ebenfalls finanziert von Hilfsorganisationen.
Schulbildung hat für alle Bewohner einen hohen Stellenwert. " Wir können unseren Kindern nicht viel bieten. Das einzige, was wir ihnen hier mitgeben können, ist eine gute Schulbildung ", erklärt Nung, Vater von vier Kindern. Auf den staubigen Wegen ist nach Schulschluss kein Kind zu sehen, das nicht den bunten, typischen Wollbeutel über der Schulter trägt, und Nung bestätigt stolz: "Alle Kinder gehen zur Schule! "

Jenseits der Minenfelder - Eine Klinik für Flüchtlinge aus Burma

Dr. Cynthia Maung der Mao Tao Klinik

" Komm raus, dir passiert nichts! ", riefen die burmesischen Soldaten. Mon Tui konnte nichts machen, sie lag mit Wehen im Bett. Flehend blickte sie ihren Mann an, der stumm neben ihr sass. Dann drückte er fest ihre Hand, küsste sie und ging langsam aus dem Haus. Es war das letzte Mal, dass sie ihn gesehen hat. Wie schon viele andere Männer aus dem Karen-Dorf wurde er verschleppt, gefoltert und schliesslich ermordet.Mit leiser, stockender Stimme erzählt die 27-jährige Mon Tui ihre traurige Geschichte. " Die Rebellen der Karen Resistance Forces (KRF) kamen oft ins Dorf ", erinnert sie sich. " Sie schickten Briefe an den Dorfchef, in denen sie Reis und andere Lebensmittel forderten. Mein Mann musste den Reis einmal ins KRF-Camp bringen. " Vermutlich erfuhr die Armee davon und tötete ihn dafür, dass er die Rebellen unterstützt habe. "Was sollten wir machen, wir Dorfbewohner waren zwischen den Fronten, egal wer kam, wir mussten ihnen helfen ", sagt sie verzweifelt, auf dem Schoss ihre einjährige Tochter, die bald nach der Verschleppung ihres Mannes geboren wurde.

Verwundete werden behandelt

Das Dorf der jungen Frau aus dem Volke der Karen - eine der grössten der 135 Ethnien Burmas - lag mitten im riegsgebiet, wo die burmesische Armee seit Jahrzehnten gegen Widerstandsgruppen wie die KRF oder KNU kämpft. Nach der Ermordung ihres Mannes sollte Mon Tui an seiner Stelle Zwangsarbeit für die Armee verrichten. Zunächst konnte sie sich freikaufen, doch die letzten Ersparnisse waren bald verbraucht. Die junge Frau war verzweifelt. In ihrer Not ging sie in ein buddhistisches Kloster und bat um Hilfe. Es blieb nur ein Ausweg: die Flucht über die verminte Grenze nach Thailand.

Minenopfer

Die Mönche bezahlten einen Führer und Verpflegung für sie. " Es war schrecklich, auf der Flucht haben wir ständig Schüsse gehört. Immer wieder mussten wir Minenfeldern ausweichen und uns verstecken. " Wegen der Umwege dauerte es eine Woche, bis sie die 40 Kilometer entfernte Grenze erreicht hatten, dann hatte sie es endlich geschafft. Seit vier Wochen sind sie und ihre Kinder jetzt im Flüchtlingslager Mae La nahe der Grenze untergebracht, immer noch im so genannten 'safe center', zusammen mit Waisen, Alten und anderen, die besonderen Schutz brauchen. Wie es weitergehen soll, kann ihr niemand sagen. Trotzdem ist sie dankbar: " Hier ist es viel besser. Einige Nachbarn teilen ihr Essen mit uns, es gibt zwei Mahlzeiten am Tag, und ich kann endlich wieder richtig schlafen. Im Dorf ging das nicht, ich hatte ständig Angst. " Ein kleiner, dreijähriger Knopf mit einem kanariengelben Fussballtrikot kommt in die Hütte gerannt, schmiegt sich an Mon Tui, umarmt eins ihrer Beine. Sie streichelt ihm über den Kopf und lächelt. " Seine Eltern haben sich zerstritten, sind weggegangen und haben ihn hier zurückgelassen. Er ist im 'safe center' ganz alleine, und sagt jetzt Mama zu mir ", erklärt sie uns, auf dem Arm ihre kleine Tochter, neben ihr der siebenjährige Sohn. Klinik im Flüchtlingslager Jeden Tag kommen neue Flüchtlinge aus Burma im Mae La Camp an, die Ähnliches durchgemacht haben wie Mon Tui und ihre Kinder. In den unzähligen Bambushütten und Baracken zwischen grünen Hügeln, schlammigen Fusswegen und kleinen Bächen leben inzwischen über 40.000 Menschen. Sie werden vom Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen und anderen Hilfsorganisationen mit dem Nötigsten versorgt und von der thailändischen Regierung geduldet. Aber weil sie sich illegal in Thailand aufhalten werden ihnen viele Rechte vorenthalten - so beispielsweise das Recht auf medizinische Behandlung im staatlichen Gesundheitssystem. Zum Glück gibt es nicht weit vom Mae La Camp, in der thailändischen Grenzstadt Mae Sot, die Klinik von Dr. Cynthia Maung. Die 44-jährige karenische Ärztin musste selber vor 15 Jahren nach der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung aus Burma fliehen. Sie mietete ein altes, leer stehendes Haus am Stadtrand und begann dort mit einigen Kollegen, ihre flüchtenden Landsleute ärztlich zu versorgen. " Damals mussten wir improvisieren und haben unsere wenigen, kostbaren Instrumente in einem Reiskocher sterilisiert ", erzählt sie lächelnd. Seit vielen Jahren wird die Ärztin bei ihrer Arbeit unter anderem auch vom deutschen Kinderhilfswerk terre des hommes unterstützt. Inzwischen ist die Klinik auf über zehn Gebäude angewachsen, in denen sich ständig mehr als 400 Menschen aufhalten. Nicht nur Flüchtlinge wie Mon Tui, sondern auch zahlreiche der vielen zehntausend burmesischen Wanderarbeiter in Mae Sot suchen hier ärztliche Hilfe. Die Klinik ist inzwischen in der ganzen Region bekannt, und 2002 wurde Dr. Maung für ihre Arbeit mit dem internationalen Magsaysay-Award ausgezeichnet, der in Asien einen ähnlichen Stellenwert hat wie der Friedensnobelpreis in Europa. Mit ihrer kleinen Tochter an der Hand führt Dr. Maung durch die Klinik: vorbei an der Entbindungsstation, durch das Bettenlager für Schwerkranke in einen Raum, in dem Todkranke - darunter viele AIDS-Patienten - versorgt werden. In der Station für unterernährte Kinder werden abgemagerte Säuglinge gerade mit spezieller Aufbaunahrung gefüttert. Schräg gegenüber in der Augenklinik führt ein japanischer Spezialist regelmässig Augenoperationen durch. Vor dem Gebäude sitzt ein 15-jähriger Junge mit traurigen, dunklen Augen auf einer Mauer. Unter seinem karierten Sarong ragt anstelle des linken Beines ein verbundener Stumpf hervor - eine Mine hat ihm bei der Feldarbeit das Bein zerfetzt. Hinter dem Krankenraum für Minenopfer ist die Prothesenwerkstatt: Hier stehen halb fertige Beine auf Holztischen, daneben Pinsel und Spachtel. Zwei ehemalige Soldaten der Karen National Union, die beide selber eine Beinprothese tragen, fertigen hier die Ersatzbeine für ihre Leidensgenossen. Im Nebenraum stehen ihre zwei Feldbetten, auf einem liegt eine Prothese. " Wir sind gute Techniker, weil wir dasselbe wie die Patienten fühlen ", erzählen sie stolz. Glaube an die Demokratie Besonders wichtig ist Dr. Maung auch die Aus- und Weiterbildung junger Ärzte und Krankenpfleger. " In den mehrmonatigen Kursen lernen sich junge Menschen verschiedenster Herkunft kennen, Karen, Shan, Mon, Thais, Burmesen. Viele von ihnen gehen danach als so genannte Rucksackdoktoren zurück nach Burma. " Einer dieser Rucksackärzte, Monho, lernt und arbeitet schon seit 14 Jahren in Dr. Maungs Klinik. Er ist Mitglied bei der 'All Burma Student Democratic Front' - ABSDF. Seitdem er vor vier Jahren die Weiterbildung zum Rucksackarzt machte, ist er unermüdlich im Einsatz. Mit einem Rucksack voll Medizin und ärztlicher Instrumente zieht er immer wieder los, mitten in die Kampfgebiete. Er kennt die lebensgefährlichen Wege durch die Minenfelder, weiss, wann und wo er sich verstecken muss. Das Risiko ist trotzdem hoch, viele seiner Kollegen sind schon umgekommen. " Ich habe keine Angst ", sagt er lachend. " Ich habe meinen Glauben - an die Demokratie. " Heute versorgen 70 Rucksackdoktoren-Teams von Dr. Maungs Klinik aus etwa 150.000 Menschen in Burma, die sonst keinerlei ärztliche Versorgung hätten. Weder Dr. Cynthia Maung noch Mon Tui glauben, dass sich die politische Lage in Burma schnell ändern wird. Aber sie haben Hoffnung. Sie hoffen auf den Druck der internationalen Gemeinschaft und auf die Oppositionsführerin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi. Eines Tages, so hoffen sie, wird es ein demokratisches Burma geben, in dem die verschiedenen Völker friedlich zusammenleben. " Ich träume immer noch davon, in meine Heimat zurückzukehren ", sagt Dr. Maung. Bis dahin werden sie und ihre Leute weiter schuften, weiter ihr Leben aufs Spiel setzen. Schon Buddha sprach von 'anicca', der Vergänglichkeit. Sie wissen und hoffen: Nichts dauert ewig. Auch nicht das Leid ihres Volkes. Die Lage in Burma Seit Jahrzehnten tobt im Vielvölkerstaat Burma ein blutiger Bürgerkrieg, der schon bis 500.000 Menschenleben gefordert hat. Nach Schätzungen des US-Aussenministeriums haben 300.000 Menschen das Land verlassen, eine Million sind in Burma auf der Flucht. Rund 30 bewaffnete Gruppen sind an dem Konflikt beteiligt, viele von ihnen gehören zu ethnischen olkseinheiten wie den Shan, Karen, Kachin, Mon oder Wa, die mehr Autonomie fordern. Daneben geht es um die Kontrolle des Drogenhandels - Burma ist zusammen mit Afghanistan der weltweit grösste Exporteur von Rohopium. Lange Zeit führte die Zentralregierung - seit 1960 wird Burma von repressiven Militärregimes regiert - gegen alle bewaffneten Gruppen Krieg. In den 90er Jahren schloss sie dann insgesamt 17 Waffenstillstände, aber keine der Rebellengruppen hat bis heute ihre Waffen abgegeben. Mehr als zehn von ihnen kämpfen immer noch gegen die burmesische Armee, besonders in den Bundesstaaten der Shan und der Karen. Menschenrechtsorganisationen erheben schwere Vorwürfe gegen die Militärregierung und die Armee, es ist von Vertreibung, Folter, Vergewaltigungen, Zwangsarbeit und Gräueltaten gegen ethnische Minderheiten, vor allem in den Gebieten der Karen und der Shan, die Rede. Ausserdem soll die Armee zwangsweise Kinder ab elf Jahren rekrutieren und in ihren Reihen über 60.000 Kindersoldaten haben. Weitere 6.000 Minderjährige dienen bei den verschiedenen Rebellengruppen. Damit gibt es in Burma weltweit die meisten Kindersoldaten. Die Hoffnung vieler Burmesen ist die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, deren Nationale Liga für Demokratie bei den freien Parlamentswahlen 1990 82 Prozent der Stimmen gewinnen konnte. Die Wahl wurde von der Militärjunta nicht anerkannt, Aung San Suu Kyi lange Zeit unter Arrest gestellt. Im Mai 2002 wurde sie freigelassen, das Regime wollte damit die Lockerung der Sanktionen der USA und der EU erreichen. Der erwartete konstruktive Dialog zwischen Militärs und Opposition kam aber bis heute nicht zu Stande.

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Quelltext u.a. terre des hommes Deutschland e.V. und jonas m lanter


9. Januar 2009