Dienstag, 20. Oktober 2015

Private Daten im Internet




Geschätzte Leserinnen und geschätzte Leser

Eure Daten gehören Euch!

Private Daten im Internet: Moneyhouse verrät alles 



sven m jakal
jonas m lanter


Als ich wieder einmal meinen eigenen Namen googelte, musste ich mit Erschrecken feststellen, dass es auf der Homepage der Firma Moneyhouse, Inhaberin Itonex AG Rotkreuz, einen Eintrag über mich gibt.


Moneyhouse ist ein Inkassobüro, bei welchem man online Betreibungsaufträge erteilen kann. Als zweites Standbein betreibt Moneyhouse eine Art Auskunftsdienst, welcher seine Informationen aus fragwürdigen Quellen (Adresshändlern), sowie von Schweizer Bürgern direkt bezieht (Denunziantentum).


Das sieht dann so aus: Moneyhouse bezieht Adressen von Händlern, gleicht diese dann auf Korrektheit ab und versucht nach und nach weitere Informationen wie Betreibungen, Bonität, Wohnsituation und sogar die Baukosten der bewohnten Immobilie hinzuzufügen. Auch Nachbarn sind namentlich mit Telefonnummer genannt, um Informationen zu erlangen. Alle diese Angaben lassen sich gegen Bezahlung eines Entgeltes von CHF 8.00 pro Monat, online abrufen. 


Die Methode, mit der Moneyhouse Geld verdient ist mehr als fragwürdig, vom Gesetz jedoch nicht verboten. Abgesehen von der Publikation ein paar gesperrter Adressen. Diese Praxis wurde vom Eidg. Datenschutzbeauftragten, Hans Peter Thür, gerügt.


Schweizer Datenschutzgesetz ist zu lasch


Auf Nachfrage antwortete Moneyhouse, nichts Falsches zu tun. Man halte sich an Schweizer Gesetz und veröffentliche nur allgemein zugängliche Informationen. Hier liegt laut Hans Peter Thür genau das Problem: "Mit der bestehenden Gesetzgebung kann man nicht durchsetzen, dass es die Einwilligung der Betroffenen braucht, damit Moneyhouse deren Daten benutzen darf."


Die heutige Version des Datenschutzgesetzes berücksichtigt das Internet zu wenig. Das soll sich ändern. Eine Arbeitsgruppe vom Bundesamt für Justiz erarbeitet zur Zeit Vorschläge welche dem Bundesrat bis Ende Jahr eingereicht werden. Ziel ist es Privatpersonen im Internet besser zu schützen.


Die Kassensturz Sendung vom 09.04.2013, 21 Uhr, 'Private Daten im Internet: Moneyhouse verrät alles', schildert diese Praktiken detailliert.



Jeder muss seine Daten im Internet selbst kontrollieren. Hier einige Tipps

- Regelmässig nachschauen, welche Daten im Internet veröffentlicht sind.

- Löschungsbegehren an die Verantwortlichen schicken; siehe Beispiel unten (per Mail möglich).

- Sich ebenfalls bei Adresshändlern sperren lassen.


Musterbrief Antrag zur Löschung meiner Daten bei Moneyhouse

An: info@moneyhouse.ch

itonex ag  (moneyhouse)
Lettenstrasse 7
6343 Rotkreuz
Schweiz


Sehr geehrte Damen und Herren

Aus Datenschutzgründen verlange ich die SOFORTIGE Löschung meiner Daten auf Ihrer Homepage www.moneyhouse.ch. Sie verstossen damit gegen das Bundesgesetz über Datenschutz. Weiter sehe ich nicht ein, dass  Sie schnelles Geld mit (meinen) persönlichen Daten verdienen.

Ich fordere Sie daher unter Drohung der Rechtsanklage per SOFORT auf, meinen Namen und irgendwelche andere Daten über mich auf Ihrer Homepage zu entfernen. Gemäss telefonischer Auskunft benötigen Sie zwei Arbeitstage dafür.

Hier meine Daten zur Sperrung meiner Einträge bei der Fa. Itonex, Inhaberin Moneyhouse, Rotkreuz:


Ich setze Ihnen eine Frist von zwei Arbeitstagen um die entsprechenden Einträge auf Ihrer Homepage zu entfernen und fordere Sie auf, künftig der Gleichen mit meinen Daten zu unterlassen.

Mit bestimmten Grüssen



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Sonntag, 11. Oktober 2015

Burma; letztes Interview mit dem verstorbenen Präsidenten aller Ethnischen Gruppierungen Burmas und Chairman der Karens





Burma; letztes Interview mit dem verstorbenen Präsidenten aller Ethnischen Gruppierungen Burmas und Chairman der Karens
Erstellt am 1. Oktober 2011 von Jonaslanter

Interview mit Premier und Chairman Saw Ba Thin Sein, Premier aller grossen Ethnischen Gruppierungen Burmas und Chairman der Karen National Union (KNU), verstorben an Weihnachten 2007
Jonas M. Lanter, Sven Jakal, Thailand - Burma

Veröffentlichungen, auch auszugsweise, dürfen nur nach Absprache mit aseannews@gmx.net veröffentlicht werden. Copyright by Jonas M. Lanter http://Birmaberichterstattung.blogspot.com


 
Premier Minister (Chairman) Saw Ba Thin Sein im Gespräch mit Jonas Lanter


Saw Ba Thin Sein, sie sind der Chairman aller Ethnischen grossen Gruppierungen Burmas und der Karen National Union (KNU). Die KNLA, also der militärische Arm der Karens, untersteht auch ihnen.
"Ja, dies ist richtig so. Ich bin der Chairman aller grossen Ethnischen Gruppierungen Burmas und auch Chairman der Karens, also des Kayin - Staates. Nochmals Entschuldigung für den angsteinflössenden Empfang mit meinen bewaffneten Bodyguards. Normalerweise empfange ich nachts keine Gäste mehr. Es ist einfach zu gefährlich für einen Politiker meines Ranges. Aber da wir uns ja nun schon seit 14 Jahren kennen, wollte ich dich auch gerne treffen."
Anmerkung: Saw (Anrede für Herrn) Ba Thin Sein ist der höchstrangige Politiker (Präsident) der unten aufgeführten sieben (7) Staaten in Burma. Daneben existieren noch sieben (7) Divisionen, welche von der Junta 'geführt' werden. Total zählt Burma 14 Distrikte.
Die sieben Staaten, denen Ba Thin als Chairman vorsteht sind hierbei aufgeführt:

- Arakan State (vorher Rakhaing)
- Chin State
- Kachin State
- Karen State (Kayin)
- Karenni State (Kayah)
- Mon State
- Shan State

Anmerkung: nach dem Chairman folgt der Vize-Chairman, von denen jeweils zwei existieren. Danach folgt der Premier Minister des Staates bzw. der Distrikte.

Wir pflegen auch sonst brieflichen Kontakt zueinander, und dies über viele Jahre. Ihren Brief von anfangs November habe ich dankend erhalten. In den Mails können wir ja keinen politischen Dialog führen. Sie sagten mir, unsere Mails werden vom Geheimdienst abgefangen?

"Ja, dem ist so. Dies betrifft aber nicht nur den Burmesischen Staat, sondern auch Nachrichtendienste anderer Staaten, vorab den der Chinesen und Russlands."

Trotz Ihres Alters von 80 Jahren scheinen Sie einen gesunden Eindruck zu hinterlassen?

"Du hast mich ja beim letzten Besuch im Hospital in Mae Sot besucht. Ich leide an Parkinson und nehme Sauerstoff zu mir. Aber nur wenn ich will. Geraucht und getrunken habe ich früher oft und viel!" Alle Anwesenden lachen.
"Ja, ich bin bereit, dir auch Informationen zu geben und mit dir offen über neue und gelöste Probleme zu sprechen. Ich gebe sonst keine Interviews, denn es wurden schon einige Attentatsversuche auf mich unternommen. Deshalb auch die vielen bewaffneten Bodyguards. Den letzten Mordanschlag habe ich im Spital nur dank einer meiner Bodyguards überlebt. Dieser wurde von der Burmesischen Junta geplant und durch hiesige, korrupte Individuen durchgeführt. Den Namen sollst du hier nicht nennen, dies ist auch für dich zu gefährlich. Du musst hier immer vorsichtig sein. Viele Spitzel, welche von den Burmesen bezahlt werden, machen sich gerade an Journalisten heran. Sehe dich immer vor und traue niemandem!.Vorab eben jenen, welche hier eigentlich für die Sicherheit verantwortlich sind."

Wie viele Menschen vertreten Sie gesamt?

"Die Shan-Bevölkerung im Nordosten Burmas ist neben den Birmanen nicht mehr die grösste Volksgruppe. Die Karens zählen heute in Burma und Thailand sieben Millionen Menschen. Daneben vertrete ich aber auch alle grossen Ethnischen Volksgruppen wie die der Karennis, der Mons, der Chins, den Arkan-State, den Kachin-State, den Shan-State und noch einige andere.
Total sind dies etwa an die 17 Millionen Menschen".
Sie haben letztmals erwähnt, dass die Generäle mit Hilfe Chinas das Projekt für einen Atomreaktor "ins Auge" fassen.
"Momentan ist dies eines der Ziele der Junta. Erst letzthin hatten wir ein Geheimtreffen mit Dr. Sein Win, dem Premier Minister aller Exilburmesen. Auch der Amerikanische Ex-Präsident Jimmy Carter, welcher bei mir auf Besuch weilte, hat an diesem Treffen teilgenommen. Daneben hatten wir auch Kontakt mit einem Vertreter von Aung San Suu Kyi's NLD.
Die Angst, dass die Generäle an angereichertes Uran oder Plutonium zum Bau einer Atombombe herankommen, ist begründet. Warum die USA hier nicht schon lange intervenieren, verstehe ich nicht!
General Than Shwe hat nun seine Berater angewiesen, die Pläne anzugehen."

2 v.l. Dr. Sein Win, Präsident der Exilburmesen, 4 ehem. US-Präsident Jimmy Carter und Ba Thin Sein PM und Chairman des ENC und der KNU.
Jimmy Carter wurde im Jahre 2002 mit dem Friedens-Nobelpreis für seine Bemühungen um friedliche Konfliktlösungen im Nahen Osten und Afrika ausgezeichnet.

Wissen Sie, an welchen Fluss dieser gebaut werden soll?

"Nein, ich glaube selbst die Generäle sind sich hier nicht einig. Die einten wollen es im Innern des Landes und wieder andere in der Nähe zu China.
Ein anderes Problem liegt darin, dass die Generäle ein unterirdisches Bunkersystem in der neuen Hauptstadt Naypyidaw weiter ausbauen. Wie viele Kilometer dieses System nun misst, kann niemand von uns genau sagen. Alle Ministerien sind unterirdisch miteinander verbunden. Und die Chinesen erhalten im Gegenzug die meisten Ressourcen unseres Landes. Auch wurden schon erhebliche Teile unseres Urwaldes von den Chinesen gerodet, dies ist doch absurd! Nun haben wir vermehrt Erdrutsche und in der Regenzeit Überschwemmungen. Aufforstungen wird hier keine betrieben. Aber ich denke, General Than Shwe will auch Gutes für sein Volk."
Sind Sie da so sicher? Warum kauft denn die Generalität zehn MIG-29 zum Preise von drei Jahren des Burmesischen Brutto-Sozialproduktes? Und anscheinend sind ja nur noch drei MIG-29 in der Lage überhaupt geflogen zu werden. Die anderen sieben werden als Ersatzteillager für die übrigen drei gebraucht!

"Seine Gedanken kann ich nicht lesen, aber ich glaube es in meinem Innersten. General Than Shwe wurde in psychologischer Kriegsführung ausgebildet, er ist ein Tatmadaw (Anmerkung Birmanischer Militär). Er ist halt wie unser verstorbener General Bo Mya ein Militarist, und die müssen halt andere Prioritäten setzen.
Auch sollten wir von der Ideologie einer westlichen Demokratie Abstand nehmen. Unsere Volkseinheiten benötigen ein anderes System. Welches genau wird sich dann zeigen. Pläne sind vorhanden.
Auch haben wir bereits für die Zeit nach einem Umsturz hingearbeitet. Aung San Suu Kyi wird zwar vom Volke zu Recht verehrt, aber auch sie ist für einen solchen Posten nicht unbedingt geeignet. Auch wenn es der Westen so sieht."

Wer würde dann Ihrer Meinung nach in Frage kommen?

"Wir wollen, dass das Volk mitbestimmt. Und die haben folgende Personen gewählt: Dr. Sein Win, der die Mehrheit Burmas, also die Barmaren vertritt. Er lebt im Exil. Diese Barmaren stellen ungefähr 68% oder 37 Millionen des gesamten Birmanischen Volkes.
Daneben müssten die verschiedenen Ethnischen Völker ihren eigenen, autonomen Staat erhalten. So wie die Shans, welche mit der Junta operieren und dafür ihr Territorium selbst verwalten.
Sicherlich muss auch mein Nachfolger vertreten sein, schliesslich bin ich der gewählte Chairman aller grossen sieben Ethnischen Volksgruppen (ENC) in Burma."

Anmerkung: Es existieren exakt 135 verschiedene Volksgruppen in Burma, welche im Buche Ba Thin Sein's aufgeführt sind.

"Dies sind wiederum ungefähr 26% des Volkes. Die Ethische Gruppierung der Rohyngias muss auch eingebunden werden. Heute zählt diese Muslimische Minderheit ja nicht zum Burmesischen Staate. Angeblich darum, weil diese sich vor 400 Jahren von den Birmanen im Nachbarland Bangladesh abspalteten.
Den Grund dafür sehe ich aber darin, dass diese Muslimischen Glaubens sind."



Die Ethnische Vielfältigkeit Burmas: Hier sind nur die sieben Grossen abgebildet, welche einen Staate inne haben. Von eben diesen ist Saw Ba Thin Sein deren Chairman.

Sie haben mir vor Jahren schon gesagt, dass sie die einzige Gruppierung sind, welche in den über 50 Jahren Krieg nie die Seite zur Junta wechselten.

"Wir führen jetzt seit über einem halben Jahrhundert Krieg gegen die Junta und deren Verbündete.
Einem Seitenwechsel, welcher uns mit viel Geld und versprochener Macht unterbreitet wurde, stimmten wir nie zu.
Die Soldaten vergewaltigen unsere Frauen und Kinder als Akt dieser Kriegsführung. Unsere Dörfer werden niedergebrannt, die Felder zerstört.
Es gilt als legitim, auch Kinder zu entführen und bereits ab vier Jahren in den 'Ye Njunt Youth' Militärschulen zu drillen. Diese werden später hohe Offiziere. Meistens sind es Vollwaisen und diese Kinder gehören eben unseren Volkseinheiten an, also unsere eigenen Kinder werden gegen uns eingesetzt! Sie lernen nur eines, das Handwerk des Tötens! Auch sind Fälle bekannt, wo diese ihre eigenen Freunde erschiessen mussten, um deren Loyalität den Juntas zu zeigen."

Vor 14 Jahren, wo wir uns und den Chef des militärischen Flügels der Karens, General Bo Mya kennenlernte, war eine Gruppe der 'First Baptist Church' aus den Vereinigten Staaten hier. Ein gewisser Dr. Brian. Ich hatte dazumal den Konvoi noch über die Grenze zu euerm Hauptquartier begleitet. Dabei sah ich, dass die First Baptist Church viele Medikamente und anderes Material in einem eigens gemieteten Transport-Flugzeug direkt nach Mae Sot brachten.
"Ja, auch heute noch stammt das meiste Geld, welches wir benötigen, aus den USA. Die 'First Baptist Church' unterstütz uns sehr. Natürlich wollen sie auch missionieren. Deren Hilfe ist uns sehr wichtig. Nebst den Exilburmesen selbst ist es eben diese Gruppierung, welche uns am meisten unterstützt. Daneben erhalten wir noch vom Amerikanischen Staat Unterstützung. In welcher Art will ich hier nicht sagen."


Ich habe in einem Artikel geschrieben, dass die KNU die Zeichen der Zeit erkannt hat!
Denn Sie selbst haben die UN-Security Council Resolution 1612 zum sofortigen Stopp von Kindersoldaten unter 18 Jahren in euren Truppen ratifiziert. Danke für die Kopie. Wie kam das 'Deed of Commitment' überhaupt zu Stande?

"Ich wurde schon vor einigen Jahren von Kofi Annan direkt darauf angesprochen.
Im März 2007 hat mir der Generalsekretär der UN, Herr Ban Ki-Moon, seine General-Sekretärin von 'Children and Armed Conflict', Miss Radhika Coomaraswamy*, gesandt. Wir haben dadurch Unterstützung erhalten und können so mehr Druck auf die UN ausüben."
Wie ich aber in Euren Camps und in Eurer 101st. Special Forces sehen konnte, sind immer noch etliche Kinder darunter.

"Ja, leider ist dem so. Ich kann in Burma den Kindern nicht verbieten, bei der KNLA oder anderen Gruppierungen mitzukämpfen. Sie wollen dies. Und viele Eltern wollen auch, dass ihre Kinder bei uns sind. Lies mal mein Buch 'Policy Papers, Letters and Statements' des 'Ethnic Nationalities Council' der Union of Burma. Ist erst gerade neu herausgekommen. Bei uns gelten Kinder ab zwölf Jahren als Erwachsene, bei anderen Ethnien spätestens ab 14 Jahren."

Aber dies ist doch eine Farce? Warum können Sie als Chef dies nicht unterbinden.

Ba Thin überlegt und bespricht sich mit seinen Beratern. Sie sprechen in ihrer Karen-Sprache, welche wir nicht verstehen.
"Die Staatengemeinschaft glaubt immer, uns etwas aufzwingen zu wollen. Diese Kinder haben mit ansehen müssen, wie ihre Eltern ermordet, ihre Schwestern vergewaltigt und ihre Brüder in den Burmesischen Militärumerziehungslager zwangsinterniert wurden. Sie selbst wurden gedemütigt und geschlagen. Die wenigen, welche in unseren Lagern sind, konnten fliehen. Und denen soll ich verbieten, gegen ihre Todfeinde zu kämpfen? Kämpfen sie nicht, werden sie in die Lager jenseits der Grenze verbracht. Ich bin auch gegen Kinder in der Armee! Mehr will ich dazu nicht sagen."

Aber viele Politiker, Botschafter und 'Nicht Regierungs-Organisationen' (NGO's) versprechen immer wieder zu helfen. Stimmt es, dass in diesen Lagern auch Menschen zu Tode geprügelt werden?
"Da diese als 'Internally displaced peoples' gelten, dürfen die UNO, die NGO's und die Staaten nicht helfen. Auch werden immer wieder Bewohner in den Lagern von den Thai-Militärs zu Tode geschlagen. Auch Wasserbrunnen, welche wir mit grosser Mühe anfangs gebaut haben, wurden von den Thais mit Steinen wieder zugeschüttet."
Warum dies?
"Sie verkaufen lieber das Wasser und verdienen so einige Bath zusätzlich. Auch gespendete Kleider des 'Roten Kreuzes' werden nicht gratis verteilt wie vorgesehen, sondern verkauft. Auch alte Lebensmittel, die sonst nicht mehr gebraucht werden können, werden hier in den Lagern verkauft."
Schon vor Jahren wurde bekannt, dass rund um Mae Sot (Anmerkung an der Grenze zu Thailand) immer wieder ermordete illegale Arbeiter aus Burma aufgefunden werden. Was hat dies auf sich?
"Ganz einfach, so müssen diese nicht bezahlt werden. Einige dieser Firmenbesitzer wurden zwar verhaftet und einer davon hingerichtet, aber dennoch kommt es noch vor. Heute wird es halt einfach so gemacht, dass ein Stundenlohn, welcher sehr niedrig ist, schlussendlich halt doch nicht ausbezahlt wird oder sie erhalten nur ein Bruchteil davon."
Ich habe gesehen, wie Thailändische und Burmesische Soldaten zusammen in Mae Sot waren.


SPDC und Thai-Soldaten bei einem Meeting

"Es wird sich um ein Treffen handeln. Auch Meetings werden hier im 'Mae Sot Hill Ressort' Hotel zwischen den Thais und der SPDC abgehalten. Im Westen gelten sie offiziell als Feinde, bei uns nicht. Denn Burma ist ein wichtiger Handelspartner Thailands."
Jetzt noch eine letzte Frage: Wie lautet die Verfassung Burmas?
"Burma hat bis heute unter den Militärs keine offizielle Verfassung. Stellen sie sich dies mal vor. Wie soll ein Land so funktionieren? Die Befehlshaber sind alles Generäle und von einigen ist bekannt, dass sie drogen- und alkoholsüchtig sind. Einige sind gar Analphabeten! Sie verlassen sich lieber auf Wahrsager als auf gebildete Politiker! Ganz hier in der Nähe ist die grösste Yaba-Produktionsstätte der Welt. Auch das grösste Heroinlabor Burmas befindet sich hier. Es kommt schon mal vor, dass die Menschen Masken tragen müssen. Sonst hätten diese bei Ostwind eine Überdosis. Der Ostwind bläst aber nur selten am Ende der Regenzeit."
Sie haben vorhin noch auf das 'Panglong-Agreement' hingewiesen!
"Unsere Republik wollte am 12. Februar 1947 unter General Aung San und anderen, führenden Vertretern unserer Staaten, dieses Agreement einführen. Es handelt sich um ein Vereintes Burma, in der jede Gruppierung über sich selbst bestimmen kann und in einer Zentralregierung die Massnahmen untereinander besprochen werden. Das heisst im Besonderen, dass jedes Ethnische Volk seine eigene Eigenständigkeit bewahren kann und auch Massnahmen durchsetzt, welchen ihrem Glauben gerecht wird. Nicht jede Ethnie kann hier wie in einer Demokratie geführt werden. Nein, dies ist viel komplizierter. Es benötigt viele Kenntnisse der örtlichen Begebenheiten, des Glaubens und deren Bräuche. Viele wirken fremd, aber so können wir untereinander die Loyalität fördern. Viele Völker sind indigenen Ursprungs, auch wir, die Karens. Leider kam es nicht zu diesem 'Panglong-Agreement', den fünf Monate später wurde General Aung San und weitere Unterzeichnende am 19. Juli 1947 ermordet!"
Anmerkung: Ein Chairman ist höher gestellt als ein Premier Minister, er ist der oberste Führer einer Nation oder eben eines Volkes.
Das Interview wurde im Hause von Premier Ba Thin Sein am 5. Dezember geführt.
Copyright by Jonas M. Lanter (aseannews@gmx.net)
Samstag, den 01. Oktober 2011